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Gegautscht ins Berufsleben

Kurz nach zwei Uhr am Dienstag vergangener Woche hiess es: «Packt an!» Erst holten die «Packer» Joelle Affolter in den Räumen der Druckvorstufe ab, die dort in den letzten vier Jahren ihre Lehre zur Polygrafin in der Fachrichtung Medienproduktion erfolgreich absolvierte. Beaufsichtigt wurde das Anpacken vom mittelalterlich gewandeten Gautschmeister Thomas Fahrni. Obwohl sie sich wehrte, konnte sie nicht verhindern, dass sie in einen Postkarren verfrachtet wurde. Mit dem Lift ging es ins Erdgeschoss, wo bereits das nächste nichtsahnende Opfer wartete. Musa Duqi, unser Lehrabgänger der Printmedienverarbeitung, ereilte dasselbe Schicksal. Im Postkarren wurden die beiden um das Gebäude gefahren. Auf der Rückseite des Firmenkomplexes wartete bereits der grosse Holzbottich, zwei Stühle mit Schwamm darauf und mit Wasser gefüllte Eimer.

Alte Zeremonie

Die «Packer» befreiten die Wiedlisbacherin Joelle Affolter aus dem Postkarren. Der Gautschmeister erhob die Stimme zur Ansprache: «Lasst ihren Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm bis triefen beide Ballen.» Damit wurde die Polygrafin auf den Stuhl mit dem angefeuchteten Schwamm gesetzt. «Der durstigen Seele gebt ein Sturzbad obendrauf, das ist der Tochter Gutenbergs die beste Tauff.» Ein über dem Kopf ausgekippter Eimer Wasser war der nächste Schritt, so wie das Bad im Holzbottich. Printmedienverarbeiter Musa Duqi erlebte dasselbe Zeremoniell und blieb angesichts des warmen Wetters sogar länger im Holzbottich verweilen. Nach den Gratulationen und der obligatorischen Wasserschlacht gab es ein kleines Apéro für die Besucher der «Gautschete».

Brauchtum und doch modern

Der Brauch des Gautschens ist über 500 Jahre alt. Noch heute werden erfolgreiche Lehrabgänger in den Bereichen Druckvorstufe, Druck und Druckweiterverarbeitung mit Wasser getauft. Dabei werden symbolisch die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit weggewaschen und die neuen Arbeitskräfte in der Berufswelt begrüsst.Wir setzen alles daran, um immer auf dem neuesten Stand der Technologie zu bleiben und den Berufseinsteigern eine zeitgemässe Ausbildung zu ermöglichen. Erst Mitte letzten Juni wurde die europaweit modernste 10-Farben Druckmaschine mit LED-Trockentechnologie eingeweiht. Von dieser Neuerung profitieren die nächsten Täuflinge in den kommenden Jahren.

Text basiert auf dem Beitrag von Jessica Dubach – Neue Oberaargauer Zeitung.